* *

Back

3. Preis

Verfasser

  • Octagon Architekturkollektiv, Leipzig
  • gm013 | giencke mattelig landschaftsarchitektur, Berlin
 

   

Leitidee des Verfassers

„Die übergeordnete Entwurfsidee reagiert auf die hohe Lärmbelastung des Areals und bildet einen äußeren Mantel aus robusten Gewerbebauten. Geschützt im Kern entsteht ein kompaktes Wohnquartier mit einem zentralen Platz als soziale Mitte des neuen Areals. Als Fuge zwischen Mantel und Kern fungiert die verkehrliche Erschließung, welche auf ein Minimum reduziert die wohnliche Mitte autofrei belässt. Ein fußläufiger Quartiersweg tangiert die äußeren Eingangsplätze zwischen Einkaufszentrum im Süden und Bushaltestelle im Norden, führt dabei über die Platzmitte und verbindet darüberhinaus die angrenzenden Stadträume.“

Auszug aus der Beurteilung des Preisgerichts

Die städtebauliche Grundidee, einen robusten Mantel und einen geschützten Kern auszubilden, wird von der Jury grundsätzlich gewürdigt, wenn auch diese städtebauliche Setzung nicht deutlich genug erkennbar ist. Das Gesamtquartier wird auf einem orthogonalen, weitgehend unhierarchischen Grundmuster aufgebaut, das in seiner baulichen Ausprägung kaum auf die Besonderheiten des Ortes eingeht und keine wirkliche Adressbildung offeriert. Die fehlende Hierarchie in dem städtebaulichen Grundraster lässt wenig individuelle Charaktere und interessanten Atmosphären zu. Die Clusterbildung ist ein bewährtes städtebauliches Muster, in der angebotenen Ausformung bleibt es jedoch bei einem chiffreartigen ‚Aufschlag‘.

Unter diesem städtebaulichen Prinzip leiden auch die Qualitäten der öffentlichen Räume. Insbesondere ist der Quartiersplatz in Lage, Proportion, Form und in seinen Angeboten wenig überzeugend. Die beiden Entrees im Norden und Süden erfüllen die Erwartungen an eine attraktive Adressbildung mit entsprechendem Nutzungsangebot nicht vollständig.

Das Haupterschließungssystem ist in sich schlüssig, wenn auch die Verbindung zwischen Kölner Straße und Berghäuschensweg Qualität vermissen lässt. Im Resultat gibt es eine autofreie Quartiersmitte; dies ist zu begrüßen. Der ruhende Verkehr wird für die Wohnbereiche richtig in einer Quartiersgarage sowie in einer – allerdings wenig wirtschaftlichen – zweigeschossigen Tiefgarage ausgewiesen. Positiv gesehen wird die Anordnung der Stellplätze im 1. OG oberhalb der Verkaufsflächen des NVZ.

Die Verfasser nutzen die verkehrsfreien öffentlichen Räume auch für intensives Regenmanagement. Angedockt an das ‚blaue Band‘ eröffnet die Grünfuge ein großes Angebot an Freiraumaktivitäten. Gebietstypische historische Spuren und ortsspezifische Eigenschaften werden jedoch nicht herausgearbeitet; der römische Doppelgraben findet funktional und gestalterisch keinen Eingang in das Konzept. 

Die angebotene Nutzungsverteilung ist in der Positionierung und in der Gliederung überzeugend, insbesondere die Anordnung der Nahversorgung und Einzelhandelsflächen zum Berghäuschensweg hin schafft gute Voraussetzungen für das Nahversorgungskonzept. Problematisch ist die Überbauung des ‚Obi‘-Eckgrundstücks.

Positiv bewertet das Preisgericht die Entwicklung hybrider, gemischt-genutzter Wohncluster. Die Cluster bieten ruhige Innenhöfe, wenn auch deren Dimensionen in Teilen zu schmal wirken und ungünstige Eckausbildungen bedingen.

Insbesondere vor dem Hintergrund der abschnittweisen Entwicklung wird die Wirkung der Öffnungen in dem Gewerbeband entlang der A 5 hinsichtlich ihrer schützenden Wirkung in Bezug auf seiner Lärmschutzfunktion kritisch eingeschätzt.

Der Beitrag zum Ideenteil 1 wird gewürdigt, insbesondere kann die Ausbildung des Kopfbaus einen Impuls für die Entwicklung des Umfelds geben.

Hinsichtlich der Kennziffern liegt der Beitrag im mittleren Bereich und lässt eine wirtschaftliche Umsetzung erwarten.

Der Beitrag stellt ein gut strukturiertes Gesamtquartier in angemessener Körnigkeit dar, entwickelt aber insgesamt wenig differenzierte Baufelder mit qualitativ unterschiedlichen Atmosphären. Vermisst werden adressbildende Angebote, die den Geist des Ortes aufnehmen und damit aus dem Potenzial des Standorts eine besondere Qualität generieren.